Wir alle haben sie lieben und schätzen gelernt, die Versicherungen.
Da gibt es die Kapital- und Lebensversicherungen. Die Lebensversicherungen sollen die Angehörigen finanziell absichern, falls einem selber etwas passiert. Das ist vor allem für Familien wichtig, bei denen es nur einen Ernährer gibt, denn wenn einem etwas passiert, steht die Familie nicht vor dem Nichts da. Die Kapitalversicherungen können verwendet werden, um die Rente im Alter aufzubessern.
Da gibt es die Pensionskassen. Die sind für die Rente wichtig.
Da gibt es die Krankenversicherungen. Wer krank ist, kann nicht arbeiten um Geld zu verdienen. Man kann ihn in dieser Zeit doch nicht verhungern lassen.
Da gibt es die Schaden- und Unfallversicherungen. Hier kann man sich gegen alle möglichen Krisenfälle absichern. Hausratversicherungen, Diebstahlversicherungen, Autoversicherungen, usw..
Versicherungen sind sehr wichtig, aber sie haben auch einen Haken. Die Versicherungsunternehmen legen riesige Kapitalanlagebestände an. Warum machen die das? Warum ist das für das Wirtschaftssystem ein Problem?
Sinn und Zweck der Kapitalanlagebestände
Sowohl bei Lebensversicherungen als auch bei Kapitalversicherungen wird Geld angespart. Bei Kapitalversicherungen bekommt man das Geld erst am Ende des Vertrags, bei Lebensversicherungen kann die Versicherungssumme im Todesfalle schon vor dem Ende ausgezahlt werden. Die Beiträge kommen aus dem Geldkreislauf und werden dann auf den Kapitalmarkt umgelagert. Spätestens nach 30 oder 40 Jahren, je nach Laufzeit, wird die Versicherungssumme ausgezahlt. Dann gehört das Geld nicht mehr zu den Kapitalanlagebeständen der Versicherungen, aber man muß berücksichtigen, daß Versicherungssummen, die 100.000-de von € betragen können, nicht auf einen Schlag ausgegeben werden. Das dauert seine Zeit, bis es wieder in den Geldkreislauf kommt. Und wenn sich jemand dieses Geld für eine Ergänzung der Rente angespart hat, dann soll das bis zum Lebensende reichen. Es ist prinzipiell möglich, bereits ab 15 eine Lehre zu beginnen und von da an Geld in eine Kapitalversicherung einzuzahlen. Da es schon heute Menschen gibt, die 100 Jahre alt werden, kann es 85 Jahre dauern, bis ein Gleichgewichtszustand entsteht, so daß genau so viel Kapital aus dem Geldkreislauf in den Kapitalmarkt umgeschichtet wird, wie aus dem Kapitalmarkt in den Gelkreislauf zurückkommt.
Die Pensionskassen sind für die Rente da. Von dem Moment an, in dem das Arbeitsleben beginnt, können Gelder in die Pensionskassen eingezahlt werden. In der Rentenzeit bekommt man dann monatliche Auszahlungen. Auch hier entsteht ein Gleichgewichtszustand erst nach 85 Jahren.
Die Krankenversicherungen sollen einspringen, wenn jemand krank wird. Jeder muß mal sterben. Der Sterbeprozeß ist mit Krankheiten verbunden. Nur sehr wenige Menschen sind von einem Augenblick auf den anderen tod. Je nach Beanspruchung fällt das eine oder das andere Organ zuerst aus und muß dann ersetzt oder unterstützt werden. Deshalb entstehen die meisten Gesundheitskosten in den letzten paar Jahren vor dem Tod. Das wissen auch die Versicherungen. Deshalb müssen sie, wenn sie anständig kalkulieren wollen, Geld für die hohen Alterskosten zurücklegen. Als Kind kann man noch in der Krankenversicherung der Eltern sein. Aber mit Beginn des Arbeitslebens ist das vorbei. Dann bezahlt man die Krankenversicherung selber. Also entsteht auch hier der Gleichgewichtszustand erst nach 85 Jahren.
Übrig bleiben die Schadens- und Unfallversicherungen. Jeder kann ausgeraubt werden, egal, wie alt man ist. Jeder kann mit dem Auto einen Unfall machen. Bei der Fensterscheibe, die zu Bruch geht, liegt es bestimmt nicht daran, daß alte Menschen im Haus leben. Es gibt nur sehr wenige Sachen, die altersabhängig sind. Ich hatte mal eine Tante, die ist mit 80 Jahren im Bett mit einer brennenden Zigarette eingeschlafen. Aber solche Sachen sind eher ganz seltene Ausnahmen. Eigentlich kann man bei den Schadens- und Unfallversicherungen keinen Zusammenhang mit dem Alter der Menschen konstruieren.
Was ich bisher beschrieben habe, ist das, was notwendig ist. Es gibt aber noch etwas, was praktisch ist. Die verschiedenen Versicherungen stehen miteinander im Konkurrenzkampf. Die Versicherungen bekommen Geld aus 2 möglichen Quellen. Die Beiträge der Versicherten und die Zinsen aus den Kapitalanlagebeständen.
Um im Konkurrenzkampf besser dazustehen, ist es nützlich, wenn die Beiträge so klein wie möglich sind. Je größer die Kapitalanlagebestände der Versicherungen sind, desto mehr Zinsen können sie erwirtschaften, um die Beiträge niedrig zu halten. Deshalb haben die Versicherungen mit den größten Kapitalanlagebeständen einen Konkurrenzvorteil gegenüber den Neulingen, die erst noch Kapitalanlagebestände aufbauen müssen. Dashalb glaube ich, daß die Versicherungen niemals zu einem Gleichgewichtszustand kommen, sondern unersättlich sind. Kann man das überprüfen?
Schauen Sie sich einmal folgende Graphiken an:

- Graphik 1: Als Wirtschaftsgeld bezeichne ich 1/12 des Bruttoinlandprodukts, da diese Geldmenge dem Wirtschaftssystem zu Zahlungszwecken zur Verfügung steht. Der Wert von 2005 ist ungefähr 6,3 mal so groß wie der Wert von 1959.

Graphik 2: Ich kann nur die Werte bis 2005 auswerten, da die Deutsche Bundesbank die detailgetreuen Daten nicht mehr veröffentlicht.
Im Verhältnis zum Wirtschaftsgeld stiegen die Kapitalanlagebestände in den Jahren von 1959 bis 2005 um etwa das 6,3 fache an. Der relative Anteil der Kapitalanlagebestände der Schadens- und Unfallversicherungen an allen Versicherungstypen verändert sich viel zu schwach. Deshalb vermute ich, daß dort die Kapitalanlagebestände für den Konkurrenzkampf verwendet werden.
Die Entstehung des Gleichgewichtszustandes
Mal angenommen, die Versicherungen würden optimal arbeiten und nur für die zukünftige Vorsorge Kapitalanlagebestände anlegen. Welche Bedeutung haben die Kapitalanlagebestände dann für das Wirtschaftssystem? Da die Versicherungen nicht so handeln, kann ich das nur anhand eines Modells überprüfen. Dabei werde ich 2 Sachen miteinander vergleichen, die leicht und nachvollziehbar berechnet werden können. Beachten Sie bitte, daß es bei einem Modell nicht um exakte Ergebnisse geht, sondern um Strukturen, die sich entwickeln können. Für die Beurteilung lasse ich alles weg, was zu komplizierten Berechnungen führt. Dazu gehört Inflation, Lohnentwicklung und Bevölkerungswachstum. Aber auch variable Zinssätze und Tilgungsraten. Das würde zu Störungen führen, bei denen man die entscheidenden Effekte vielleicht nicht mehr wahrnehmen kann.
Die Geldmenge entsteht durch das Kreditgeschäft. Dabei ist die einfachste Form der Häuserbau. Zuerst muß 10% des Kaufpreises als Selbstbeteiligung angespart werden, dann bekommt man einen Kredit, so daß man das Haus kaufen kann, anschließend wird der Kredit in monatlichen Raten zurückgezahlt. Bei den niedrigen Sparzinsen, die es heutzutage gibt, habe ich mir überlegt, daß ich für die Ansparung keine Zinsen verwende.
Die Versicherungen entfernen das Geld aus dem Geldkreislauf. Erst nach 85 Jahren soll das angesparte Geld wieder in den Geldkreislauf zurückkommen.
Ich habe mir die Berechnungen so einfach wie möglich gemacht. Wenn man mit 15 Jahren in die Lehre geht, dann dauert es 50 Jahre, bis man in Rente geht. In dieser Zeit wird jeden Monat das gleiche Geld gespart. Wenn die Leute mit 100 Jahren sterben, dann haben sie noch eine Lebenszeit von 35 Jahren, in der sie das Geld gleichmäßig wieder in den Geldkreislauf zurückbringen.
Dieses Modell benutze ich. Jetzt muß ich nur noch diese beiden Prozesse aufeinander abstimmen. Für den Vergleich orientiere ich mich hier ein wenig an der Realität. 1948 war die Währungsreform und die erste Krise auf dem Arbeitsmarkt, die nicht mehr Rückgängig gemacht wurde war 1973. Also 25 Jahre später. Das benutze ich als Orientierungshilfe. Nach 25 Jahren soll die größte Geldmenge im Geldkreislauf entstehen. Das reguliere ich mit einem Proportionalitätsfaktor.
Man kann das, was ich hier beschrieben habe, auf eine einfache Art und Weise in einem Rechenblatt berechnen:
Je nach Rechenblatt, das Sie verwenden, muß nur eine Funktion nachkorrigiert werden. Das ist die Wenn-Abfrage. Die brauche ich um variable Laufzeiten anpassen zu können, falls ich mich für andere Ausgangsdaten entscheide.
Damit Sie selber ein wenig herumexperimentieren können, erkläre ich ihnen den Aufbau meines Rechenblatts.
Ausgangsdaten und Hilfsgrößen:
|
|
A |
B |
|
1 |
Zinsen |
7 |
In B7 und B8 teile ich durch 1200. Es geht um monatliche Raten und monatliche Zinsen. Da die Angaben in % sind, muß ich durch 100 teilen und weil das Jahr 12 Monate hat, muß ich durch 12 teilen. Die Berechnung der Tabelle findet dann in den Spalten C bis H statt:
| C | D | E | F | G | H | |
| 1 2 |
Zeit 0 |
Hausbau 0 |
0 |
Versicherungen 0 |
0 |
Summe E2+G2 |
Jetzt kommt noch der Aufbau der Tabelle:
| C3 C4-C13 C14 C15-C1034 D3 D4-D122 D123 D124-D1034 E3 E4-E1034 F3 F4-F602 F603 F604-F1034 G3-G1034 H3-H1034 |
C2+1/12 Kopiere den Inhalt von C3 C2+1 Kopiere den Inhalt von C14 WENN(D2>0;WENN(D2*B$7-B$8<0;0;D2*B$7-B$8);WENN(B$8-D2>B$5;B$6;D2-B$8)) Kopiere den Inhalt von D3 WENN(D122*B$7-B$8<0;0;D122*B$7-B$8) Kopiere den Inhalt von D123 E2+D3 Kopiere den Inhalt von E3 F2-B$9 Kopiere den Inhalt von F3 Wenn(F602+B$10>0;0;F602+B$10) Kopiere den Inhalt von F603 Kopiere den Inhalt von Bereich E3-E1034 Kopiere den Inhalt von H2 |
Beim Kopieren werden normalerweise die Referenzen angepaßt. Sollte es bei Ihnen anders funktionieren, dann wird es kompliziert. Dann könnte es sein, daß Sie jede Formel einzeln eingeben müssen. Das dauert lange. Das weiß ich aus Erfahrung, da es einige mathematische Funktionen gibt, bei denen die Referenzfunktion nicht funktioniert.
Die Spalte C ist die Zeitachse. Die Spalte D berechnet den Beitrag einer einzelnen Person am Geldentstehungsprozeß durch den Häuserbau zu einem beliebigen Zeitpunkt. Die Spalte E berechnet das Gesamtergebnis, wenn ab dem 1. Monat jeden Monat ein Haus gebaut wird unter Berücksichtigung der Ansparzeit für die Selbstbeteiligung. Die Spalte F berechnet für jeden einzelnen den Aufbau des Kapitalmarktes über die Versicherungen. Der Ausgangswert in B9 dient dabei als Proportionalitätsfaktor. Der kann nach eigenen Gutdünken angepaßt werden. Die Spalte G berechnet das Gesamtergebnis, wenn ab dem ersten Monat jeden Monat die gleiche Anzahl an Menschen einen neuen Versicherungsvertrag abschließen. Die Spalte H berechnet die Summe aus den beiden Verfahren. Kommt dabei ein negativer Wert heraus, dann braucht man andere Geldentstehungsprozesse, die diesen Mangel ausgleichen.
Ich habe als Kaufpreis des Hauses den Wert 1 angegeben. Dadurch erhält man in Spalte H als Ergebnis die Geldmenge im Wirtschaftssystem als vielfaches des Kaufpreises eines Hauses.
Ein solcher Aufbau ist nicht sehr schwer und man kann, soweit ich weiß, in den meisten Tabellenkalkulationsprogrammen diese Werte graphisch darstellen. Falls nicht, dann können sie diese Tabellenwerte vielleicht in ein Programm kopieren, das die Zahlenwerte graphisch darstellen kann. So mache ich das häufig. Ich berechne die Werte in Excel oder Quattro Pro und kopiere die Ergebnisse in „Microsoft Drawing“, welches die Graphik als Bild in Word anzeigen kann.
Hier sehen Sie die Entwicklung der Geldmenge für das Wirtschaftssystem:

Graphik 3: Der Geldentstehungsprozeß erreicht nach 31 Jahren und 3 Monaten den Gleichgewichtszustand. Die Geldabschöpfung erreicht den Gleichgewichtszustand erst nach 85 Jahren. Dadurch wird mehr Geld aus dem System entzogen als hineinkommt.
Nebenbei bemerkt. Für die alten Bundesländer fand die Währungsreform 1948 statt. 2011 sind 63 Jahre danach. Bei der Wiedervereinigung 1990 wurde die Bevölkerungszahl durch die neuen Bundesländer plötzlich um ca. 30% erhöht. Diese zusätzlichen Menschen befinden sich im Jahr 20 nach dem Aufbau.
Konsequenzen
Wie kann ein Wirtschaftssystem so massive Geldverluste im Geldkreislauf ausgleichen? Durch normale Geldentstehungsprozesse durch Unternehmensgründungen auf gar keinen Fall. So etwas kann nur der Staat durch hohe Staatsverschuldung fertig bringen. Ich habe ja die Kapitalanlagebestände der Versicherungen als vielfaches des Wirtschaftsgeldes dargestellt. Da es im Jahr 12 Geldkreisläufe gibt, ist das Bruttoinlandsprodukt 12 mal so groß. Im Jahre 2005 lagen die Kapitalanlagebestände bei 43,18% des Bruttoinlandprodukts. Ein hoher Anteil der Staatsverschuldung wird nur dafür verwendet, um ein Gegengewicht für das Anwachsen der Kapitalanlagebestände der Versicherungen zu bilden.
Aber warum bezeichne ich die Versicherungen als das Problem Nr. 1?
Wenn sich beispielsweise der Ölpreis verändert, dann können die Wirtschaftsexperten durch die parallelen Veränderungen am Arbeitsmarkt einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Ereignissen erkennen. Die Veränderungen durch die Versicherungen finden langsam und allmählich über sehr lange Zeiträume statt. Es gibt keine großartigen Veränderungen. Dadurch fällt den Wirtschaftsexperten nicht auf, was bei den Versicherungen passiert. Probleme, die man nicht erkennt, werden nicht bekämpft. Also kann sich dieses Problem klammheimlich immer weiter aufblähen, bis es alles dominiert.
Herzliche Grüße von Bernhard Deutsch


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