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Die Geschichte der Arbeitslosigkeit in Deutschland

Categories: Arbeit
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Published on: 24. September 2011
Schauen Sie sich mal die Entwicklung der Arbeitslosigkeit an:
Die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen von 1950 bis 2011
Graphik 1: Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in der BRD seit 1950. Wegen der hohen jahreszeitlichen Schwankungen habe ich auch den Jahresdurchschnitt berechnet und das Ergebnis am Ende des 6. Monats eingetragen. Saisonbereinigte Arbeitslosenzahlen aus der Statistik konnte ich nicht verwenden, da die Arbeitslosenzahlen an den Grenzen verschiedener Statistiken nicht mehr zusammenpassen! Mit Hilfe des Jahresdurchschnitts kann ziemlich genau der Zeitpunkt ermittelt werden, an dem eine Veränderung eintritt. Die Steigung der Entwicklung muß in der Mitte zwischen der Steigung vor und nach dem Ereignis liegen. Die senkrechten Linien kennzeichnen die Zeitpunkte, an denen ein Ereignis stattfindet, an dem sich die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den alten Bundesländern verändert. Bedenken Sie: Der Jahresdurchschnitt hinkt immer ein halbes Jahr hinter der Realität hinterher.

Die Graphik 1 zeigt die Entwicklung der Arbeitslosigkeit. Ich versuche jetzt zu erklären, wie es zu dieser Entwicklung gekommen ist.

Durch den 2. Weltkrieg wurde ein Teil des Wirtschaftssystems zerstört. Es herrschte eine galoppierende Inflation. Die Zigarettenwährung wurde als Ersatzwährung eingeführt, da die Menschen zur offiziellen Währung kein Vertrauen mehr hatten. Deshalb fand 1948 eine Währungsreform statt. Wir bekamen ein neues Finanzsystem. Die DM wurde eingeführt. Jeder bekam ein festgelegtes Startkapital. Ein Teil des Geldes auf den Konten blieb erhalten, aber der größte Teil der Vermögen wurde vernichtet.

Bei der Konstruktion dieses neuen Finanzsystems wurde besonders auf eine Eigenschaft Wert gelegt. Es gibt immer genau so viel Geld, wie es Schulden gibt. Geld entsteht, wenn jemand Schulden macht und Geld wird vernichtet, wenn die Schulden zurückgezahlt werden.

Das Startkapital der damaligen Zeit war nicht viel. Die Schulden, die für das Startkapital nötig waren, wurden vom Staat übernommen.

Im Laufe der Zeit haben Privatpersonen und Unternehmen Schulden gemacht. Dadurch entstand Geld. Natürlich müssen diese Schulden zurückgezahlt werden. Die Schuldenaufnahme geht sofort, doch die Schuldentilgung geht über einen langen Zeitraum. Wenn man für kleinere Produkte wie beispielsweise eine Waschmaschine Kredite aufnimmt, dann ist die Tilgungszeit recht kurz. Wenn diese Zeit beispielsweise 1 Jahr beträgt, dann entsteht nach einem Jahr für solche Kleinkredite ein Ausgleich zwischen Kreditaufnahme und Kredittilgung. Es entsteht ein Gleichgewichtszustand, der nur noch von der Inflation und der Bevölkerungsentwicklung abhängt.

Je Teurer die Produkte werden, desto länger kann die Tilgungszeit werden. Häuser sind schon so teuer, daß man im Allgemeinen gut 30 Jahre benötigt, um die Schulden zurückzuzahlen. Auch Unternehmerkredite können sehr hoch werden.

Wir können also davon ausgehen, daß im privaten Bereich mindestens 30 Jahre lang mehr Schulden gemacht als zurückgezahlt werden. Das bedeutet, daß die Geldmenge ständig zunimmt.

Was konnte man in dieser Zeit mit dem ständigen Anwachsen der Geldmenge anfangen? In der Anfangszeit gab es Wochenlöhne. Das bedeutet, es hat einen Geldkreislauf von 1 Woche gegeben. Dies wurde später umgewandelt in Monatslöhne. Dadurch hatte der Geldkreislauf eine Länge von 1 Monat.

Das bedeutet: 3 Monate sind 13 Wochen. In der Anfangszeit wurde das gleiche Geld in 3 Monaten 13 mal verwendet, später aber nur noch 3 mal. Durch diese Maßnahme wurde der Verbrauch des Geldes erhöht.

Es wurde empfohlen, daß die Unternehmen Reserven für schlechtere Zeiten anlegen. Diese Reserven sind Gelder, welche im Geldkreislauf nicht mehr verwendet werden.

Trotz dieser Maßnahmen ist die Geldmenge so schnell gestiegen, daß immer genügend Geld für eine Ausweitung des Wirtschaftssystems zur Verfügung stand. Obwohl noch über Jahre hinweg die Heimkehrer aus der Kriegsgefangenschaft für einen Anstieg der Bevölkerungsgröße sorgten, ging die Arbeitslosigkeit in den ersten Jahren sehr stark herunter und 1960 wurde das erste mal Vollbeschäftigung erreicht. Das bedeutet nicht, daß die Arbeitslosigkeit auf 0% gesunken ist. Sie lag knapp unter 1%.

Auch der Aufbau der Versicherungen hat einen Teil des überschüssigen Geldes verbraucht. Ich werde den Einfluß der Versicherungen auf das Wirtschaftssystem in einem anderen Blog-Artikel genauer unter die Lupe nehmen.

Die Versicherungen legen Kapitalanlagebestände an. Ich habe die Daten von 1970 bis 2001 mit dem Wirtschaftsgeld des Wirtschaftssystems verglichen:

Ich vergleiche die Kapitalanlagebestände der Versicherungen mit dem Wirtschaftsgeld des Wirtschaftssystems.

Graphik 2: Ich habe den Durchschnitt der Kapitalanlagebestände des Jahres durch die Geldmenge geteilt, die im Wirtschaftssystem aktiv ist. Weil das Jahr 12 Geldkreisläufe hat ist das im Durchschnitt 1/12 des Bruttoinlandprodukts.

Es ist sogar so viel Geld entstanden, daß die Staatsschulden weitgehend abgebaut werden konnten. Die Reparationszahlungen, die Deutschland zahlen mußte, konnten vollständig gezahlt werden. Durch eine gutgehende Exportindustrie kam das Geld ins Land zurück.

In dieser Zeit gab es natürlich auch eine Inflation. Hätte es diese vielen Maßnahmen nicht gegeben, dann wäre die Inflation wesentlich stärker ausgefallen.

Die Zeit bis 1960 ist bekannt als die Wirtschaftswunderjahre von Deutschland. Dieses Wirtschaftswunder konnte nur deshalb entstehen, weil die Geldmenge ständig stark zunahm. Schließlich sind seit der Währungsreform erst 12 Jahre vergangen, so daß die Kreditaufnahme für Langzeitkredite immer noch wesentlich größer war, als die Zurückzahlung der Langzeitkredite aus der Vergangenheit.

Aber 1960 hat sich auch etwas verändert, was nicht wahrgenommen wurde. Wenn Vollbeschäftigung erreicht ist, dann kann das Wirtschaftssystem nicht mehr weiter wachsen. Ein wichtiger Teil des Geldentstehungsprozesses fällt aus. Dadurch sinkt die Kreditaufnahme im Unternehmerbereich, alte Kredite im Unternehmerbereich müssen aber immer noch zurückgezahlt werden. Dieser Prozeß konnte etwas abgeschwächt werden durch die Gastarbeiter aus dem Ausland. Es dauerte länger eine Arbeitskraft für einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Die Kreditaufnahme im Unternehmerbereich konnte nicht so hoch werden wie in der Vergangenheit.

Kein Ausländer hat jemals einem Deutschen den Arbeitsplatz weggenommen. Sie haben etwas ganz anderes gemacht. Sie haben ihre arme Familie in der Heimat unterstützt und ein Teil ihres Verdienstes ins Ausland geschickt. Das war nicht ganz so schlimm, da Deutschland einen hohen Exportüberschuß hatte. Mit diesem Exportüberschuß hat Deutschland jahrelang dazu beigetragen, daß aus dem Ausland immer mehr Geld verschwindet, welches in Deutschland ebenfalls dafür sorgt, daß die Geldmenge ansteigt. Deshalb war es gut so, daß viele Deutsche ihren Urlaub im Ausland verbrachten, um diese Überschüsse ins Ausland zurückzuschicken. Das einzige, was die Ausländer angerichtet hatten, war die Verlangsamung des Zuwachses der Geldmenge.

Leider hat niemand die Veränderungen von 1960 in ihrer wahren Bedeutung wahrgenommen. In der Zeit des Wirtschaftswunders wurden Erfahrungen gesammelt, aus denen sich bestimmte Strategien entwickelt haben. Diese Strategien wurden fortgesetzt, obwohl sich die Rahmenbedingungen verändert haben: Geringere Kreditaufnahme im Unternehmerbereich auf Grund von Vollbeschäftigung und ein langsameres Anwachsen der Geldmenge, weil die Gastarbeiter große Teile ihres Lohnes in die Heimat zu ihren armen Familien schickten.

Das Anwachsen der Geldmenge wurde immer langsamer, während durch die Versicherungen immer mehr Geld auf den Kapitalmarkt abgeschoben wurde. Da die Geldmenge nicht gleichmäßig wächst, sondern Schwankungen unterworfen ist, gab es Zeiten, in denen die Geldmenge langsamer wächst. Dies lag vor allem an der Bautätigkeit. Betrachten Sie sich einmal die Graphik 3:

Die Entwicklung der Baukosten von 1965 bis 1991 in Gesamtdeutschland

Graphik 3: Entwicklung der Baukosten vor der Wiedervereinigung Deutschlands. Die Lücke von Januar bis Juli 1979 kommt durch eine Veränderung der Datenerfassung in Bayern. Dadurch entsteht im Jahresdurchschnitt eine Lücke von 18 Monaten. Bei der nächsten Veränderung der Datenerfassung wurde in die Vergangenheit zurückgerechnet. Deshalb entsteht keine Lücke, sondern nur ein Sprung in der Kurve. Beachten Sie: Bei den Baukosten wurde keine Inflationsanpassung durchgeführt.

Von April 1966 bis Juni 1967 kam es zur ersten Krise. Die Arbeitslosigkeit stieg auf bis zu 2,1% an. Einige Monate vorher kam es zu einem Rückgang in der Bautätigkeit. Auf Grund von natürlichen Schwankungen in den Bedürfnissen der Menschen wurden weniger Schulden gemacht. Der Rückgang in der Schuldenaufnahme war so groß, daß wahrscheinlich das erste mal mehr Schulden zurückgezahlt wurden, als neue Schulden aufgenommen wurden. Es war erst das Jahr 19 nach der Währungsreform. Das ist noch weit von der 30 entfernt. Deshalb konnte nach 2 Jahren wieder Vollbeschäftigung erreicht werden, als die Bautätigkeit wieder zunahm, nachdem die Zentralbank die Kreditaufnahme durch die Senkung der Leitzinsen wieder erhöhen konnte.

Noch wurden mehr Schulden aufgenommen als zurückgezahlt wurden. Lange konnte das nicht mehr gut gehen. Als das nächste mal die Bautätigkeit zurückging, waren die Konsequenzen schon viel ernster. In den Jahren von April 1973 bis Juni 1975 stieg die Arbeitslosigkeit auf bis zu ca. 4,5% an. Es ist deutlich erkennbar, daß der Rückgang der Bautätigkeit und der spätere Anstieg der Bautätigkeit vor dem Anstieg der Arbeitslosigkeit und dem Ende des Anstiegs der Arbeitslosigkeit liegt. Nur ein geringer Teil dieser Arbeitslosigkeit konnte in den nächsten Jahren abgebaut werden. Das liegt sicher auch daran, daß der Anstieg der Baukosten schon nach kurzer Zeit kurzfristig wieder zurückgegangen ist. Die Arbeitslosigkeit war einigermaßen stabil. Allerdings der Hauptgrund, warum die Arbeitslosigkeit nicht wieder gesunken ist, waren die Kapitalanlagebestände der Versicherungen, die in dieser Zeit fast so viel Geld auf die Kapitalmärkte umschichtete, wie die Zunahme der Geldmenge durch die Bautätigkeit. Das Jahr 1975 war schon 27 Jahre nach der Währungsreform. Es war also kurz vor dem Eintreten des Gleichgewichtszustandes. Im privaten Bereich ist die Schuldenaufnahme schon fast so groß wie die Schuldentilgung, während im Unternehmerbereich inzwischen weniger Schulden gemacht werden, als zurückgezahlt werden.

Nachdem 2 Jahre lang die Arbeitslosenzahlen in die Höhe gestiegen sind, könnte theoretisch durch neue Unternehmerkredite Geld entstehen, welches dann zur Ausweitung des Wirtschaftssystems benutzt wird. Wenn aber die Geldmenge trotz dieser zusätzlichen Kredite nicht mehr zunimmt sondern annähernd konstant bleibt, dann reicht das Geld nicht aus, um die Arbeitslöhne der neuen Arbeitsplätze zu bezahlen. Die Maßnahme funktioniert nicht.

Für den nächsten Anstieg der Arbeitslosigkeit im Februar 1980 kann ich leider nicht nachweisen, wann der Rückgang der Bautätigkeit stattgefunden hat. Eine Veränderung der Datenerfassung in Bayern sorgte dafür, daß eine Lücke von 18 Monaten entstand. Es ist allerdings sichtbar, daß sich die Bautätigkeit verändert hat. Das Minimum der Baukosten wurde im März 1982 erreicht. Erst 11 Monate später im Februar 1983 hörte der Anstieg der Arbeitslosigkeit auf. Es sieht so aus, als ob das zeitlich nicht zusammenpaßt. Man muß aber berücksichtigen, daß die Laufzeiten für Kredite in Abhängigkeit von den Zinssätzen variieren können. Da inzwischen der Zeitpunkt für den Gleichgewichtszustand im Geldentstehungsprozeß erreicht worden ist, darf man nicht nur den Startzeitpunkt der Kredite betrachten, sondern man muß auch die unterschiedlichen Tilgungsvorschriften der Kredite berücksichtigen. Darüber hinaus wurde immer noch Geld durch die Versicherungen aus dem Geldkreislauf in den Kapitalmarkt umgeschichtet. Die Kombination aus diesen verschiedenen Einflüssen hat 11 Monate benötigt, bis sich der Anstieg der Bautätigkeit auf die Entwicklung der Arbeitslosigkeit auswirken konnte.

Schon nach kurzer Zeit ging die Bautätigkeit wieder zurück, doch diesmal wirkte sich das nicht auf den Arbeitsmarkt aus. Das lag vor allem an den Exportüberschüssen, wie man es in Graphik 4 sehen kann:

Exportüberschuß in milliarden DM

Graphik 4: Die Exportüberschüsse nahmen ab etwa 1980 kontinuierlich zu.

Ich habe die Exportüberschüsse ab 1980 dargestellt. 1980 lagen sie ungefähr bei 0 und wurden dann von Jahr zu Jahr größer. Bis Juni 1983, das ist der Zeitpunkt, an dem die Bautätigkeit ihr Maximum im Jahresdurchschnitt erreichte, hatte sie zumindest so weit zugenommen, daß die Exportüberschüsse den Geldverlust durch die Kapitalanlagebestände der Versicherungen und den Rückgang der Bautätigkeit ausgleichen konnte.

Als dann die Bautätigkeit im April 1988 wieder zunahm, ging das erste mal die Arbeitslosigkeit kontinuierlich zurück. Sie erreichte aber niemals die Arbeitslosigkeit vor 1981. Ein solcher Effekt wird immer eine seltene Ausnahme sein. Wenn durch Exportüberschüsse mehr Geld aus dem Ausland ins Inland kommt als umgekehrt, dann wird das Geld im Ausland immer weniger und irgendwann können die Ausländer unsere Produkte nicht mehr kaufen.

Dann kam die Wiedervereinigung Deutschlands. Siehe dazu auch den Blog-Artikel: „Fehler der Wiedervereinigung Deutschlands“.

Damit das Wirtschaftssystem funktioniert, muß das Finanzsystem zum Wirtschaftssystem passen. Wenn für die Geldentstehungsprozesse große Geldmengen auf den Kapitalmärkten vorhanden sein müssen, dann wird nur unter den Bedingungen genügend Geld in den Geldentstehungsprozessen erzeugt, wenn genügend Wirtschaftsgeld und Kapital vorhanden sind. Die Wirtschaftssituation der neuen Bundesländer sollte an die Regeln der alten Bundesländer angepaßt werden. Eine Erhöhung der Bevölkerungsgröße um ca. 30% benötigt dann auch eine Erhöhung der Gesamtschuldenmenge um ca. 30%. Die Gesamtschuldenmenge ist aber nur um ca. 18% angestiegen. Wenn zu wenig neues Geld entsteht, dann gibt es 3 Möglichkeiten:

  1. Das Wirtschaftsgeld reicht nicht aus um alle Löhne und Gehälter auf dem Niveau der alten Bundesländer zu setzen. Eine Lohnanpassung im Laufe der Zeit benötigt eine Erhöhung der Schuldenmenge. Dafür werden höhere Selbstbeteiligungen für Kredite benötigt. Die müssen angespart werden vor der Kreditaufnahme. Also muß das Wirtschaftsgeld kleiner werden, um diese zusätzlichen Kredite erzeugen zu können. Eine Lohnanpassung führt dann dazu, daß das Geld für immer weniger Menschen ausreicht. Die Arbeitslosigkeit muß wachsen. Das hat wiederum zur Folge, daß sich immer weniger Menschen einen Großkredit leisten können. Das läßt den Geldentstehungsprozeß schrumpfen.
  2. Der Kapitalmarkt ist zu klein. Deshalb muß sehr viel Geld aus dem Wirtschaftsgeld in den Kapitalmarkt umgeschichtet werden, um die Geldentstehungsprozesse stabil zu halten. Das Geld reicht nicht mehr aus, um alle Löhne und Gehälter bezahlen zu können. Also muß die Arbeitslosigkeit steigen.
  3. Die Möglichkeiten 1 und 2 können auch gleichzeitig eintreten. Dann finden beide Wirkungen gleichzeitig statt.

Diese 3 Möglichkeiten bedeuten, daß die Arbeitslosigkeit im Gesamtsystem wachsen muß, wenn zu wenig Geld für den Gleichgewichtszustand vorhanden ist. Deshalb mußte die Gesamtarbeitslosigkeit nach der Wiedervereinigung Deutschlands automatisch wachsen.

An der Auswertung der Exportüberschüsse in den Jahren von 1991 bis 1994 ist erkennbar, daß die Exportüberschüsse in den alten Bundesländern fast ausschließlich aus den neuen Bundesländern kamen. In der gleichen Zeit sind die Kapitalanlagebestände der Versicherungen immer weiter gewachsen. Es gab also immer noch ein Anwachsen des Kapitalmarktes, doch es gab im neuen Gesamtdeutschland fast keine Exportüberschüsse mehr. Dadurch wird die Bilanz für Gesamtdeutschland negativ und die Arbeitslosenzahlen mußten ansteigen.

Die alten Bundesländer hatten sehr hohe Exportüberschüsse in den neuen Bundesländern. Dadurch wurde sehr viel Geld aus den neuen Bundesländern in die alten Bundesländer umgeschichtet. Das Wirtschaftsgeld wurde sehr schnell kleiner. Das bewirkte, daß die Arbeitslosigkeit innerhalb eines Jahres von 142096 auf 842504 angestiegen ist. Wegen dieser bedrohlichen Entwicklung in den neuen Bundesländern wurde der Solidaritätsbeitrag eingeführt. Dadurch bekamen die neuen Bundesländer fast alles Geld zurück, welches in die alten Bundesländer umgeschichtet worden ist. Deshalb ist seitdem die Arbeitslosigkeit in den neuen Bundesländern weitgehend stabil und steigt nur sehr schwach an. Die meisten Veränderungen finden in den alten Bundesländern statt. Der Solidaritätsbeitrag hat in der Entwicklung von Gesamtdeutschland nichts verändert. Es hat gewissermaßen eine Art Export von Arbeitsplätzen aus den alten Bundesländern in die neuen Bundesländer gegeben.

In dieser Zeit fand auch eine Weiterentwicklung Europas statt. Steuern werden nicht nur an den deutschen Staat gezahlt, sondern auch an Europa. Seit 1985 kann ich nachweisen, daß jährlich zwischen 4,2% und 10% des Wirtschaftsgeldes an Europa gezahlt werden. Dieses Geld geht nur dann nicht verloren, wenn wir es über Exportüberschüsse wieder zurückholen können. Seit der Wiedervereinigung sind die Exportüberschüsse viel zu niedrig, um das erreichen zu können. Diese Steuern an Europa verschärfen die Situation in Gesamtdeutschland. So etwas kann nur durch besonders hohe zusätzliche Schulden ausgeglichen werden. Im Januar 1994 bis Mai 1995 ist die Arbeitslosigkeit in Gesamtdeutschland wieder gesunken. In den alten Bundesländern war die Arbeitslosigkeit stabil und in den neuen Bundesländern ist sie gesunken. Dies wurde durch ein besonders hohes Staatsdefizit erreicht.

Das Anwachsen der Arbeitslosigkeit nahm immer bedrohlichere Formen an. Vor allem für die Jugend. Ich kann mich noch genau daran erinnern. Als ich mich für eine Lehre als technischer Zeichner beworben habe, habe ich genau 3 Bewerbungen abgeschickt. Es gab 1 Absage, 1 Unternehmen hat gar nicht geantwortet und 1 Unternehmen  meinte, daß dieses Jahr nur weibliche Lehrlinge als technische Zeichner aufgenommen werden, ich könnte aber eine Lehre als Maschinenschlosser machen. Diese würden ja immer gebraucht. Das war im Sommer 1979. Meine Lehre fand in einem großen Unternehmen statt, und es wurden jährlich ca. 30 bis 40 Lehrlinge aufgenommen.

Als ich nach 31/2 Jahren die Lehre abgeschlossen hatte, sah die Situation so aus. Ich habe von Jugendlichen erfahren, die 300 Bewerbungen für eine Lehrstelle abgeschickt haben und nur Absagen bekommen haben. Das war kein Einzelfall, sondern sehr häufig.

Bis zum Tag meiner mündlichen Prüfung wurde gesagt, daß kein Lehrling vom Unternehmen übernommen werden kann. Unmittelbar nach der mündlichen Prüfung wurden alle Lehrlinge noch einmal in die Lehrwerkstatt bestellt, da man im letzten Moment noch eine Möglichkeit gefunden hatte, die Lehrlinge im Unternehmen unterzubringen. Doch nicht als Dreher, Maschinenschlosser, technischer Zeichner, oder Elektriker, sondern als einfacher Arbeiter in der Produktion. Ich habe damals das halbe Jahr genutzt um Geld für meinen weiteren Bildungsweg zu verdienen. Das war Januar 1983. Um die Zeit herum begann das Problem mit der Jugendarbeitslosigkeit.

Die Unternehmer konnten die nicht mehr so leistungsfähigen alten Angestellten nicht einfach entlassen und die leistungsfähige Jugend bekam keine Arbeit. Die Jugendarbeitslosigkeit wurde bekämpft, in dem viele Firmen die alten Arbeitnehmer durch junge Arbeitnehmer ersetzten. Damit die Alten darauf eingingen, bekamen sie hohe Abfindungen. Mit diesem Geld konnten sie das Arbeitslosengeld bis zum Eintritt ins Rentenalter so weit aufstocken, daß sie ihren Lebensstandart halten konnten. Mein Vater ging mit 56 Jahren in den Vorruhestand. Das war 1990. Bis Ende 1998 hat er von der Abfindung seiner Firma, kombiniert mit dem Arbeitslosengeld gelebt.

Damit so etwas möglich ist, muß entweder Betriebskapital für die Abfindungen verwendet werden, oder es werden weniger Unternehmergewinne gemacht, die auf dem Kapitalmarkt abgelagert werden können. In dem Maße, wie das Geld von den Frührentnern konsumiert wurde, wurde dann das Wirtschaftsgeld erhöht. Vermutlich hat das mit dazu beigetragen, daß die Arbeitslosigkeit ab 1989 in den alten Bundesländern etwas abnahm, aber es war nicht effektiv genug, um die Fehler bei der Wiedervereinigung auszugleichen.

Dieses Verfahren konnte aber nur eine begrenzte Zeit wirken. Das Verfahren konnte nur funktionieren, da gewissermaßen doppelter Lohn gezahlt wurde. Je weniger Menschen in Frührente sind, desto weniger doppelte Löhne gibt es. Wenn die Unternehmen damit aufhören, dann muß die Arbeitslosigkeit wieder hoch gehen, da die Ursachen des Anstiegs der Arbeitslosigkeit nicht bekämpft werden, denn die Versicherungen verschieben immer noch große Geldmengen aus dem Geldkreislauf in den Kapitalmarkt und die Nettozahlungen an Europa liegen immer noch höher als 4,2% des Wirtschaftsgeldes im Jahr.

Im Januar 2001 wurde die statistische Datenerfassung geändert. Vorher wurde Berlin-West immer zu den alten Bundesländern gezählt. Jetzt zählt es zu den neuen Bundesländern. Ist die Maßnahme sinnvoll? So lange Berlin-West von den neuen Bundesländern – also der DDR – isoliert war, gab es in Berlin-West einen internen Geldkreislauf, der nicht mit dem Geldkreislauf der DDR vermischt werden konnte. Seit der Wiedervereinigung ist das anders. Gelder, die bisher nur in Berlin-West ausgegeben werden konnten, können jetzt auch in den neuen Bundesländern ausgegeben werden. Da in den neuen Bundesländern nicht so viel Wirtschaftsgeld vorhanden ist, geben die Menschen aus den neuen Bundesländern nicht so viel Geld in Berlin-West aus, wie die Menschen aus Berlin-West in den neuen Bundesländern. Es kommt zu einer Vermischung der Geldmengen von Berlin-West mit den neuen Bundesländern. Da Berlin-West im Vergleich zu den neuen Bundesländern sehr klein ist, findet eine Anpassung der Verhältnisse in Berlin-West an die neuen Bundesländer statt. Deshalb ist eine solche Definitionsänderung sinnvoll, selbst wenn dadurch die statistischen Auswertungsmöglichkeiten eingeschränkt werden.

2003 war für mich ein interessantes Jahr. Betrachten Sie sich einmal die Graphik 5:

Ein fehlerhafter Statistischer Vergleich zwischen 2 Jahren entsteht dadurch, daß Umschulungsmaßnahmen plötzlich nicht mehr als Arbeitslose gezählt werden.

Graphik 5: Im Januar 2004 wurde eine Definitionsänderung der Arbeitslosenzahlen durchgeführt. Menschen in Umschulungsmaßnahmen wurden nicht mehr als arbeitslos gezählt. Die Durchgezogene Linie kennzeichnet die Veränderung der Veröffentlichten Arbeitslosenzahlen (berechnet aus den Angaben der Arbeitslosenzahlen) und die gestrichelte Linie kennzeichnet die Veränderung, wenn die Menschen in Umschulungsmaßnahmen auch im Vorjahresmonat nicht gezählt worden wären. (Veröffentlicht als die Veränderungen der Arbeitslosenzahlen im Vergleich zum Vorjahresmonat) Der Zuwachs der Arbeitslosenzahlen im Vergleich zum Vorjahresmonat ist übrigens rein rechnerisch identisch mit dem 12-fachen Anwachsen meines Jahresdurchschnitts zwischen dem Ende des Monats vor 6 Monaten und dem Ende des Monats davor. Man kann auch erkennen, daß sich die beiden Kurven im Januar 2005 wieder vereinigen.

Auf Grund einer ungleichmäßigen Entwicklung im Vorjahr war das Anwachsen der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahresmonat von Februar bis Mai nicht überraschend, aber danach ging der Zuwachs der Arbeitslosigkeit von Monat zu Monat kontinuierlich zurück. Ich konnte mir das nicht erklären, da es keinerlei Anzeichen dafür gab, daß die Ursachen – der Geldmangel – bekämpft wurden. Ich konnte es mir erst erklären, als ich 2 Dokumentationen im Fernsehen sah. Eine Dokumentation über die Personal Service Agenturen und eine Dokumentation über die Ich-AGs.

In der Dokumentation über die Personal Service Agenturen wurde erklärt, daß die Bundesanstalt für Arbeit in Personal Service Agenturen umgewandelt werden soll, und man hat über Erfahrungen mit Personal Service Agenturen berichtet. Wer zu einer Personal Service Agentur geht, der wird zu einem Angestellten der Personal Service Agentur. Egal, ob er eine Arbeit bekommt oder nicht. Da er aber Angestellter der Personal Service Agentur ist, wird er in der Arbeitslosenstatistik als beschäftigt gezählt.

So kann man natürlich auch eine perfekte Vollbeschäftigung erreichen. Die Arbeitslosen werden zu Angestellten der Bundesanstalt für Arbeit und dadurch als beschäftigt registriert. Wenn die Bundesanstalt für Arbeit in Personal Service Agenturen umgewandelt werden soll, dann müssen alle in der Personal Service Agentur beschäftigten Arbeitslosen auch als Arbeitslose gezählt werden. Sonst sind die Arbeitslosenzahlen nach unten korrigierte Mogeleien.

Auch die Ich-AGs sind problematisch. In der Dokumentation wurden 3 Fallbeispiele einer Ich-AG vorgestellt. Ein Fallbeispiel war sehr interessant. Jemand hatte ein Tatoo-Studio eröffnet. Die Einnahmen aus dem Tatoo-Studio waren so gering, daß damit nur die Miete und die Materialkosten bezahlt werden konnten. Der Eigentümer hat in dieser Zeit nur von der Unterstützung des Arbeitsamtes gelebt. Wenn jemand eine Beschäftigung hat, von der er nicht leben kann und nur von der Unterstützung des Geldes vom Arbeitsamt abhängig ist, dann ist er nur ein getarnter Arbeitsloser, selbst dann, wenn er beschäftigt ist. So etwas gilt natürlich auch für jede Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.

Am 8.2.2005 wurde in der Wochenpost, einer lokalen kostenlosen Zeitung in der Rubrik „Mit spitzer Feder“ erwähnt:

… Durch die neue geförderte Form der Selbständigkeit sollten bis zu einer Million Arbeitsplätze entstehen. Gut ein Jahr nach dem Start ist jedoch nur ein Fünftel dieser Zahl erreicht und das auch nur dank üppiger steuerlicher Förderung. Diese Förderung wird maximal 3 Jahre gewährt und hat allein im vergangenen Jahr fast 900 Millionen Euro verschlungen. Hinzu kommt, daß im vergangenen Jahr bereits jeder Fünfte ‘Ich-AG`ler’ nach kurzer Zeit wieder aufgeben mußte. Denn häufig genug reichten die Fördergelder gerade einmal aus, die in einer ‘Ich-AG’ anfallenden Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen. Geld fürs Geschäft oder zum Lebensunterhalt bleibt da nicht übrig. …

Jeder, der die Ich-AG aufgeben mußte, könnte eigentlich als getarnter Arbeitsloser gezählt werden, da er ohne die staatliche Unterstützung nicht überlebensfähig war. Grob abgeschätzt können das etwa 1.000.000/(5*5)=40.000 getarnte Arbeitslose sein.

Als die Arbeitslosigkeit zu Beginn des Jahres 2004 wieder anzuwachsen drohte, wurden dann einfach die Menschen aus Umschulungsmaßnahmen nicht mehr als arbeitslos gezählt. Dadurch wurde die Zahl wieder kleiner. In Graphik 5 habe ich dargestellt, wie groß diese Auswirkungen waren. Die Arbeitslosenzahlen sehen zwar besser aus, aber da die eigentlichen Probleme nicht bekämpft werden, dauerte es nur ein halbes Jahr, bis die Arbeitslosenzahlen im Vergleich zum Vorjahresmonat trotz Korrektur wieder anwachsen. Wenn Probleme versteckt und nicht gelöst werden, dann wachsen sie im Verborgenen weiter, bis sie irgendwann wieder deutlich sichtbar werden.

Ab Januar 2005 gibt es neue zusätzliche Arbeitslose in der Arbeitslosenstatistik. Die Sozialhilfe und die Arbeitslosenhilfe wurden zusammengelegt. Da die Sozialhilfeempfänger in der Vergangenheit nicht als arbeitslos registriert wurden, muß sich die Arbeitslosenzahl erhöhen. Leider wurde in diesem Fall nicht veröffentlicht, wie viele Sozialhilfeempfänger neuerdings zu den Arbeitslosen gezählt werden. Man darf aber nicht annehmen, daß der Anstieg der Arbeitslosigkeit nur durch die ehemaligen Sozialhilfeempfänger entstanden ist. Die bedrohliche Entwicklung im Wachstum der Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt schreitet weiter voran.

Ab Juli 2005 haben die Arbeitslosenzahlen sehr stark abgenommen. Die eigentlichen Probleme wurden aber nicht bekämpft. Wie konnte das passieren?

  1. Könnte es eine verspätete Wirkung der Wiedervereinigung sein? Durch die Wiedervereinigung hat die Bevölkerung plötzlich zugenommen. Es wurden zwar zu viele Kredite erzeugt und der Bedarf für neue Kredite wurde auf lange Zeit beinahe zum Erliegen gebracht. Aber irgendwann muß der Kreditbedarf wieder ansteigen. Dann macht sich das Anwachsen der Bevölkerung wieder bemerkbar. Es kann deshalb eine gewisse Zeit entstehen, in der mehr Kredite aufgenommen als zurückgezahlt werden.
  2. Vielleicht liegt es auch am Anwachsen der Staatsverschuldung. Wachsen die Staatsschulden schneller als der Geldschwund im Wirtschaftssystem, kann die Geldmenge zunehmen.
  3. Der Boom auf dem Arbeitsmarkt fand hauptsächlich in prekären Beschäftigungsverhältnissen statt. Wenn man einen normalen Arbeitsplatz hat und daraus 2 Arbeitsplätze mit halbem Lohn macht, kann man natürlich auch die Arbeitslosenzahlen schrumpfen lassen. Das wäre eine Manipulation der Arbeitslosenzahlen.

Von August 2008 bis Juli 2009 stieg die Arbeitslosigkeit wieder an. Das lag eindeutig an der Bankenkrise. Wenn sich die Banken nicht mehr vertrauen und deshalb Kredite verweigern, die nicht mehr in das System kommen, aber gleichzeitig die alten Kredite zurückgezahlt werden müssen, wird dem Wirtschaftssystem Geld entzogen. Dann läßt sich ein Anwachsen der Arbeitslosigkeit nicht vermeiden.

Das sich Deutschland nach dieser Zeit im Vergleich zu den anderen Ländern Europas so schnell wieder erholt hat, läßt mich vermuten, daß die verspätete Wirkung der Wiedervereinigung momentan einen Bonus für Deutschland darstellt. Sollte dies der Fall sein, dann dürfte der Bonus etwa 30 Jahre nach der Wiedervereinigung verbraucht sein. Das wäre etwa 2020.

Sehr viele unterschiedliche Manipulationen in den Veröffentlichungen der Arbeitslosenzahlen in einem relativ kurzen Zeitraum raubt den Wissenschaftlern weitgehend – vielleicht sogar vollständig – die Möglichkeit, die Ursachen der Entwicklung der Arbeitslosigkeit anhand von statistischen Untersuchungen zu erkennen. Das kann dann sehr leicht zu Fehlurteilen und falschen Lösungsstrategien führen. Deshalb sollte man mit den Zahlen ehrlich sein und keine Verfälschungen durchführen.

Es gibt noch 2 weitere Gründe, warum die Zahlen unverfälscht veröffentlicht werden sollten:

Die Steuern für Europa sorgen dafür, daß große Geldmengen das Land verlassen. Schön gefärbte Arbeitslosenzahlen können das wirtschaftliche Bild von Deutschland zu positiv erscheinen lassen, so daß deshalb weniger Leistungen aus Europa ins Land zurückfließen. Das kann die Entwicklung der Arbeitslosigkeit verschlimmern.

Wir haben keine deutsche Währung mehr, sondern den Euro. Die Europäische Zentralbank entscheidet durch ihre Maßnahmen darüber, wie viel Geld den deutschen Zentralbanken zur Verfügung gestellt werden, die dann mit Hilfe des deutschen Bankensystems in Umlauf gebracht werden könnte. Wenn die Zentralbanken über die wirtschaftliche Realität nicht exakt informiert wird, dann kann dies zu einer schlechten Finanzpolitik der Zentralbanken für Deutschland führen!

Herzliche Grüße von Bernhard Deutsch

Der Preis der Riester-Rente

Categories: Geld, Rente
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Published on: 12. August 2011

Früher habe ich auch einmal gedacht, daß die staatliche Rente – der Generationenvertrag – schlecht ist, weil die Rentenbeiträge direkt an den Rentner weitergegeben werden und dadurch keine Zinsen erwirtschaftet werden können. Bei einer privaten Rentenversicherung bekommt man Zinsen und muß daher keine so hohen Rentenbeiträge zahlen.

Auf Grund dieser Überlegungen sieht es so aus, als ob die private Rente, ökonomisch gesehen, wirtschaftlicher ist als die staatliche Rente. Diese Überzeugung hat sich inzwischen ins Gegenteil verkehrt. Wie konnte das passieren? Ich habe mir eine wichtige Frage gestellt.

Wer bezahlt die Zinsen?

Natürlich könnte man sagen: die Geldinstitute, bei denen das Geld angelegt wird. Es ist mir dabei egal, ob das Geld bei Banken, Versicherungen oder auf dem Aktienmarkt angelegt wurde. Es ist egal, bei wem das Geld angelegt wird, irgendwoher müssen sie doch das Geld für die Zinsen hernehmen. Was sie auch immer machen, sie arbeiten mit dem Geld. Versicherungen legen das Geld auf dem Kapitalmarkt an. Sie haben im Laufe der Zeit riesige Kapitalanlagebestände angelegt. Das kann bei Banken sein, Beteiligungen an Firmen, was auch immer. Banken legen das Geld auch an. Eines der wichtigsten Geldanlagen der Banken sind Kredite.

Wo auch immer das Geld hingegeben wird, man verlangt Zinsen dafür. Nur ein kleiner Teil der Zinsen wird als Zinsen für die Rente bezahlt. Schließlich sind die Guthabenzinsen kleiner als die Kreditzinsen. Es sind Unternehmen, Privatpersonen und der Staat, die letztendlich die Zinsen zahlen.

Wenn die Zinsen von Privatpersonen gezahlt werden, weil sie beispielsweise einen Kredit für ein Haus aufgenommen haben, dann bedeutet das, daß nicht alle Privatpersonen, sondern nur ein Teil der Bevölkerung die Zinsen zahlt.

Wenn Unternehmen die Zinsen zahlen, dann bedeutet das, daß die Unternehmer Gewinneinbußen haben. Von diesen Gewinnen müssen sie Löhne und Gehälter bezahlen, inklusive des Unternehmerlohnes. Wenn die Gewinne kleiner werden, dann werden auch die Löhne und Gehälter kleiner. Kleinere Löhne und Gehälter bedeuten auch Einkommenseinbußen des Staates. Einbußen bei den Steuern und bei den Sozialabgaben. Sind die Belastungen für die Firmen zu hoch, dann besteht sogar die Gefahr, daß die Kredite der Unternehmen von den Banken gekündigt werden und Insolvenz beantragt werden muß. Wer zahlt also die Zinsen, wenn das Geld bei Unternehmen angelegt wird? Das ist die arbeitende Bevölkerung durch Lohn- und Gehaltseinbußen als auch in einigen Fällen durch Arbeitslosigkeit. Der Unternehmer durch Gewinneinbußen und der Staat durch Einbußen in den Steuern und Sozialeinnahmen.

Wenn der Staat Verluste hat, wovon bezahlt der den Verlust? Zum Teil in dem er sich verschuldet und zum anderen Teil in dem er die Verluste durch höhere Einnahmen im privaten und Unternehmerbereich zurückholt.

Wenn man diese Überlegungen anstellt, dann sind die Zinsen nicht mehr so vorteilhaft. Sie haben einen bitteren Beigeschmack.

Eine Abschätzung nach unten

Können Sie sich vorstellen, daß die Zinsen nur die Spitze des Eisberges beschreiben? Wenn alle Menschen einen bestimmten Anteil des Nettoeinkommens auf dem Kapitalmarkt anlegen, was passiert dann im Wirtschaftssystem? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Das ist vielleicht auch der Grund, warum sich die Politiker keine Gedanken über die wirtschaftlichen Konsequenzen der Riester-Rente gemacht haben. Man kann diese Frage aber einigermaßen gut abschätzen, wenn man weiß, wie unser Finanzsystem konstruiert wurde.

Die Gesamtgeldmenge ist genau so groß wie die Gesamtschuldenmenge + Gold. Das gilt natürlich nur für die Banken, denn man kann ja ein Konto im Ausland haben und jemand, der im Ausland lebt kann ein Konto in unserem Land haben. Dadurch sind Überschüsse und Defizite möglich.

Die Goldmenge ist stabil und ändert sich so gut wie gar nicht. Will man die komplette Bevölkerung dazu bringen, daß sie einen Teil ihres Einkommens zusätzlich auf dem Kapitalmarkt anlegen soll, dann muß man sich auch überlegen, wer für dieses Geld einen Kredit aufnehmen soll. Wenn das nicht geschieht, dann wird Geld aus dem Geldkreislauf herausgenommen und in Kapital umgewandelt. Das Wirtschaftssystem muß dann schrumpfen, weil es für das zusätzliche Geld auf dem Kapitalmarkt keine zusätzlichen Schulden gibt. Also muß man sich Gedanken machen, wie stark das Wirtschaftssystem schrumpft, wenn keine zusätzlichen Schulden aufgenommen werden. Dafür muß man wissen, wie groß der Geldkreislauf ist.

Jedes Unternehmen muß jeden Monat so viel erwirtschaften, daß damit alle Löhne und Gehälter inklusive des Unternehmerlohns bezahlt werden können. Deshalb kann es im Wirtschaftssystem nur einen relevanten Geldkreislauf geben. Der Geldkreislauf muß die Länge von 1 Monat haben.

Jedes Unternehmen muß jeden Monat so viel erwirtschaften, daß damit alle Löhne und Gehälter inklusive des Unternehmereinkommens bezahlt werden können. Die Menschen, die die Löhne und Gehälter bekommen haben, benutzen es anschließend zum konsumieren. Ein Teil des Einkommens wird gespart für größere Ausgaben, dafür geben andere bereits gespartes wieder aus. Im Gleichgewichtszustand hat dann der Geldkreislauf eine Länge von 1 Monat. Also ist die Geldmenge, die dem Wirtschaftssystem zu Zahlungszwecken zur Verfügung steht im Durchschnitt nur 1/12 des Bruttoinlandproduktes.

Diese Geldmenge ist nicht sehr viel. Es gibt 2 Geldmengen, die annähernd mit dieser Geldmenge übereinstimmen:

  1. Das Zentralbankgeld:      
    Bargeldhaltung + Mindestreservegeld
  2. Die von der Zentralbank zur Verfügung gestellte Geldmenge:
    Passivbestände der Zentralbank – Reservegeldhaltung der Banken

Als nächstes muß man wissen wie viel Geld durch die Riester-Rente auf den Kapitalmarkt umgeschichtet wird. Wenn ausnahmslos die ganze arbeitende Bevölkerung 4% des Nettolohnes für die Rente zurücklegt, dann muß man wissen, wie groß das Netto-Volkseinkommen ist, um die Geldmenge abschätzen zu können, die jedes Jahr auf den Kapitalmarkt umgeschichtet wird.

Dieses Netto-Volkseinkommen findet man beispielsweise in den Statistiken über die Sparquote. Dort wird dieses Einkommen als „Verfügbares Einkommen“ bezeichnet. Eine Berechnung hat ergeben, daß es in den Jahren von 1970 bis 2005 immer zwischen 62% und 68% des Bruttoinlandproduktes liegt. Es beträgt also ca. 2/3 des Bruttoinlandproduktes. Multipliziert man das mit 12, dann erhält man das Netto-Volkseinkommen relativ zur wirtschaftlich aktiven Geldmenge. Das heißt, das jährliche Netto-Volkseinkommen ist ca. 8 mal so groß wie die wirtschaftlich aktive Geldmenge. Davon sollen jährlich 4% für die Riester-Rente gespart werden. Das sind 32% der Geldmenge, die zu Wirtschaftszwecken verwendet werden kann.

Jetzt muß man sich noch die Frage stellen, wie lange dieses Geld aus dem Verkehr gezogen wird. Da ich nur eine Abschätzung nach unten mache, bin ich großzügig. Ich rechne mit einer Ansparzeit von 40 Jahren. Außerdem lasse ich sowohl die Zinsen, als auch die staatlichen Unterstützungen weg. Dadurch wird die aus dem Verkehr gezogene Geldmenge nur kleiner. Die tatsächlichen wirtschaftlichen Konsequenzen werden dadurch unterschätzt.

Da nicht alle Menschen gleich alt sind und sich daher die einzelnen Menschen im Laufe der Zeit unterschiedlich lange geriestert haben, muß ich das in meiner Berechnung berücksichtigen. Bei einer gleichmäßigen Altersverteilung gibt es genau so viele kurze, wie lange Verträge. Die Geldmenge, die auf den Kapitalmarkt verlagert wird, kann daher abgeschätzt werden als die Multiplikation des jährlichen Sparens mit der Laufzeit der Ansparung geteilt durch 2. Die Geldmengen, die dann auf den Kapitalmarkt verschoben werden, sind 32%*40/2=640% der Geldmenge die dem Wirtschaftssystem zu Zahlungszwecken zur Verfügung stehen.

Eigentlich müßte man noch berücksichtigen, das dieses angesparte Geld nicht sofort ausgegeben wird sondern bis zum Lebensende ausreichen muß. Auch das vernachlässige ich jetzt. Alles, was ich vernachlässigt habe, wird die Geldmenge, die aus dem Geldkreislauf in den Kapitalmarkt umschichtet wird noch vergrößern. Deshalb ist diese Abschätzung eine Abschätzung nach unten.

Falls Sie denken sollten, daß diese 640% viel zu hoch sind, weil dann kein Geld mehr für das Wirtschaftssystem übrig bleibt, dann haben sie etwas wichtiges übersehen. Die Geldmenge, die dem Wirtschaftssystem vor der Einführung der Riester-Rente zur Verfügung stand, wird nach einer sehr langen Einführungszeit neu verteilt. Ein kleiner Teil, steht dem Wirtschaftssystem zur Verfügung und 640% von diesem kleinen Teil wurde auf den Kapitalmarkt verschoben. Das Wirtschaftssystem hat sich dabei verkleinert:

\[W_{Alt}=W_{Neu}*\left(1+6,4\right) \Rightarrow W_{Neu}=\frac{W_{Alt}}{7,4}\]

W bezeichnet die Geldmenge, die dem Wirtschaftssystem für Zahlungszwecke zur Verfügung steht. Das bedeutet natürlich, daß auch das Bruttoinlandsprodukt ebenfalls um diesen Faktor schrumpft:

\[BIP_{Neu}=\frac{BIP_{Alt}}{7,4}\]

Da die relative Staatsverschuldung relativ zum Bruttoinlandsprodukt gemessen wird, muß dann die relative Staatsverschuldung mit dem Faktor 7,4 multipliziert werden, wenn sich die absolute Staatsverschuldung nicht verändert hat. Aus 60% relativer Staatsverschuldung werden dann 444% relative Staatsverschuldung.

Wenn man nicht will, daß die relative Staatsverschuldung so stark ansteigt, dann müssen gleichzeitig mit Einführung der Riester-Rente die Gesamtschulden eines Landes ansteigen. Wie hoch muß diese zusätzliche Schuldenlast sein? Ich möchte sie relativ zum Bruttoinlandsprodukt berechnen. Da W nur 1/12 des Bruttoinlandsproduktes ausmacht, ist der Anstieg des Schuldenvolumens relativ zum Bruttoinlandsprodukt nicht ganz so groß:

\[Schuldenlast=\frac{640 \%}{12} * BIP \cong 53,3 \% * BIP\]

Wer soll die Schuldenlast tragen?

Kann man diese Geldmengen in zusätzliche Unternehmen investieren? Eigentlich nicht. Es müssen zusätzliche Unternehmen sein, also Unternehmen, für die es sich bisher nicht gelohnt hat, Geld zu investieren. Man muß mehr als die Hälfte der Geldmenge des Bruttoinlandproduktes in Unternehmen investieren, ohne dafür auch nur einen einzigen Cent Gewinn zu machen. Welcher Investor würde so etwas verrücktes tun?

Kann man diese Geldmengen für zusätzliche private Kredite verwenden? Das sind Kredite an Menschen, die bisher nicht kreditwürdig waren. Auch hier müßte mehr als die Hälfte der Geldmenge des Bruttoinlandproduktes in private Kredite investiert werden, ohne dafür auch nur einen einzigen Cent Gewinn zu machen. Welcher Investor würde so etwas verrücktes tun?

Dann bleibt nur noch der Staat übrig. Die relative Staatsverschuldung müsste also um 53,3%, also von 60% auf 113,3% ansteigen, wenn er ein Gegengewicht für das zusätzliche Kapital auf dem Kapitalmarkt anlegen wollte. 113,3% Staatsverschuldung sind natürlich wesentlich weniger als 444% Staatsverschuldung. Deshalb ist der Anstieg der Staatsverschuldung die einzige sinnvolle Maßnahme, um das Wirtschaftssystem nicht zu schrumpfen. Also bezahlt der Staat letztendlich die Zinsen für die Riester-Rente.

Der Staat hat die Riester-Rente eingeführt, um die Staatskassen zu entlasten. Bei einer solchen Entwicklung kann von einer Entlastung keine Rede sein. Schließlich bedeutet ein Schrumpfen des Wirtschaftssystems einen Anstieg der Arbeitslosigkeit oder Schrum-pfungen im Volkseinkommen. Das kann die Kosten für die Arbeitslosenversicherung in die Höhe treiben und senkt vor allen Dingen die Einnahmen für Steuern und Sozial-abgaben, inklusive der Renteneinnahmen. Das Anwachsen der Staatsverschuldung erhöht die Kosten für Zinsen. Das sind Gelder, die dem Staat dann an anderen Stellen fehlen.

Es ist egal, wie die staatliche Rente durch zusätzliche private Renten entlastet wird. Die Gesamtkosten, die der Staat dafür aufbringen muß, sind viel größer.

Diese gigantischen wirtschaftlichen Schäden werden nicht von Heute auf Morgen entstehen. Um die abgeschätzten Schäden zu erzeugen, braucht es 40 Jahre. Da die angesparten Geldmengen nicht sofort ausgegeben werden, sondern bis zum Ende des Lebens ausreichen müssen, werden diese Geldmengen nur allmählich in den Geldkreislauf zurückgeführt. Dadurch werden die wirtschaftlichen Schäden noch weiter erhöht und der Gleichgewichtszustand entsteht erst nach fast 100 Jahren. In dieser Zeit werden die Schäden allmählich anwachsen, am Anfang stärker als am Ende. Diese Prozesse überlagern die anderen Entwicklungsprozesse im Wirtschaftssystem. Konjunkturelle Aufschwungphasen werden abgeschwächt, vielleicht sogar ins Gegenteil verkehrt und konjunkturelle Abschwungphasen werden verstärkt.

Herzliche Grüße von Bernhard Deutsch

Zwischen den Fronten: Wenn Experten versagen

Categories: Geld
Comments: 2 Comments
Published on: 6. August 2011

Experten sind Fachleute auf ihrem Gebiet und können manchmal wahre Wunder vollbringen. Doch Experten haben auch einen Nachteil. Sie sind nur in ihrem Expertenbereich gut. Was passiert, wenn es ein Problem gibt, das nicht auf einen Expertenbereich beschränkt ist? Dann verwenden die Experten Ergebnisse aus anderen Expertenbereichen.

Dabei kann aber etwas schief gehen. Nehmen Sie mal an, es gäbe den Expertenbereich A und den Expertenbereich B. Um ein bestimmtes Problem aus dem Expertenbereich A zu lösen braucht man Erkenntnisse aus dem Expertenbereich B. Diese Erkenntnisse kann ein Experte aus dem Expertenbereich B nur dann gewinnen, wenn er auf Expertenwissen aus Bereich A zugreifen kann. Und so geht das immer hin und her.

Wenn es ein Wechselspiel zwischen 2 Expertenbereichen gibt, bei dem jeder Experte auf die Erkenntnisse aus dem anderen Expertenbereich angewiesen ist, dann gibt es keinen Experten der sich mit diesem Wechselspiel auskennt. Gilt das nur theoretisch oder kann man das in der Praxis nachweisen?

Wirtschafts- und Finanzexperten

Es gibt Wirtschaftsexperten und es gibt Finanzexperten. Beide Expertenbereiche haben ihre eigenen Experten. Es gibt aber etwas, was beide Expertenbereiche miteinander verbindet: Geld. Im Wirtschaftssystem brauchen wir Geld für den Handel. Im Finanzsystem können wir die Geldmenge vermehren. Es gibt ein Wechselspiel zwischen den beiden Systemen. Das vorhandene Geld wird entweder im Wirtschaftssystem zu Zahlungszwecken verwendet oder gespart. Je nachdem, ob es gerade ausgegeben oder gespart wird, gehört es in den einen oder den anderen Expertenbereich.

Es gibt 2 Fragen, mit denen man sich auseinandersetzen muß:

  1. Wie viel Geld gibt es?
  2. Wofür wird das Geld verwendet?

Die Gesamtgeldmenge ist genau so groß wie die Gesamtschuldenmenge + Gold. Hier gilt nur das bei den Banken eingelagerte Gold, für deren Bezahlung Geld in Umlauf gebracht wurde. Die durch Gold in Umlauf gebrachte Geldmenge ist im Vergleich zur Gesamtschuldenmenge so klein, daß sie vernachlässigt werden könnte. Wir brauchen es eigentlich gar nicht.

Wirtschaftsgeld

Die Gesamtgeldmenge kann aufgeteilt werden in die wirtschaftlich aktive Geldmenge und die Geldmenge, die sich im Finanzsystem befindet. Die erste Geldmenge bezeichne ich mal als Wirtschaftsgeld. Das andere Geld sollte man eigentlich als Kapital bezeichnen.

Jedes Unternehmen muß jeden Monat so viel erwirtschaften, daß damit alle Löhne und Gehälter inklusive des Unternehmerlohns bezahlt werden können. Deshalb kann es im Wirtschaftssystem nur einen relevanten Geldkreislauf geben. Der Geldkreislauf muß die Länge von 1 Monat haben. Das ist der Blickwinkel aus dem Wirtschaftssystem.

Die Zentralbanken haben einen Staatsauftrag. Sie sollen – unter anderem – immer ausreichend Geld für das Wirtschaftssystem zur Verfügung stellen. Das wollen sie erreichen, indem sie die Geldmenge steuern. Es gab mal eine Zeit in Deutschland, da wurde die Zentralbankgeldmenge gesteuert. Sie wurde so genannt, da sie zum Startzeitpunkt mit der Menge an Zentralbankgeld identisch war. Später sollte die Geldmenge M3 gesteuert werden.

M3 wird nach folgenden Regeln zusammengesetzt:

M1:   Bargeld+Sichteinlagen           
Sichteinlagen sind jederzeit fällige Guthaben bei den Banken, über die mit Scheck, Lastschrift oder Überweisung ver­fügt werden kann.

M2:   M1+Termingelder mit Befristung bis unter 2 Jahren
Termingelder sind Bankguthaben, für die entweder eine feste Laufzeit (Festgelder) oder eine bestimmte Kündigungsfrist (Kündigungsgelder) vereinbart ist. Termingelder können vergleichsweise schnell mobilisiert (d. h. in Geld umgewandelt) werden.

M3:   M2+Spareinlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist         
Spareinlagen können wie die Termingelder vergleichsweise schnell mobilisiert werden.

Dies ist eine statistische Langzeitstudie aus den Jahren von 1970 bis 1997

Graphik 1: Geldkreisläufe der Geldmengenaggregate. Die Geldkreisläufe der verschiedenen Geldmengenaggregate werden immer länger. Das wurde häufig mit der Bargeldhaltung der DM im Ausland begründet. Diese Veränderungen sind aber viel zu gering um die Veränderungen des Geldkreislaufs der anderen Geldmengenaggregate erklären zu können.

Irgendwann entschloß sich die deutsche Bundesbank, eine „erweiterte Geldmenge M3“ zu steuern. Die letzten beiden Geldmengen wurden deshalb ausgewählt, weil sie relativ leicht in Geld umgewandelt werden können. In dieser Geldmenge findet man auch Termingelder mit einer Frist bis zu 2 Jahren.

Für die Geldmenge M3 wurde ein Geldkreislauf von 5 bis 7 Monaten berechnet.

Komisch, daß Termingelder mit einer Frist von bis zu 2 Jahren innerhalb von 5 bis 7 Monaten ausgegeben werden. Da stimmt doch was mit dem Geldkreislauf nicht. Die Finanzexperten von den Zentralbanken haben die Geldmenge so definiert, wie die Fähigkeit besteht, Geld auszugeben. Das Wirtschaftssystem braucht die Geldmenge, die tatsächlich ausgegeben wird.

Die Experten der Zentralbanken wissen nicht, welche Geldmenge das Wirtschaftssystem braucht. Deshalb haben sie die falsche Geldmenge definiert. Jetzt können Sie sich sicher vorstellen, was passiert, wenn die Wirtschaftsexperten bei wirtschaftlichen Untersuchungen die Geldmengendefinition der Zentralbanken verwenden.

Die Sparquote

Die Zentralbanken veröffentlichen regelmäßig eine Statistik, in der die Sparquote ermittelt wird. Dazu wird das verfügbare Einkommen aufgeteilt in konsumieren und sparen.

Langzeitentwicklung der Sparquote von 1950 bis 2010

Graphik 2: Quelle: Bundesbankstatistik. 1950 bis 1969 Westdeutschland nach ESVG ’79; 1970 bis 1990 Westdeutschland nach ESVG ’95; ab 1991 Gesamtdeutschland nach ESVG ’95.

Als die Sparquote nach 2000 zunahm, wurde viel darüber berichtet. Sämtliche Experten, die ich in den Medien gehört, oder von denen ich gelesen hatte, waren der Meinung, daß es sich um einen psychologischen Effekt handelt. Sie sprachen von Konsumverweigerung wegen einer unsicheren Zukunft.

Betrachten Sie sich die Sparquote mal etwas genauer. Was ist eigentlich sparen? Man kann vorausschauend oder nachträglich sparen. Das nachträgliche Sparen besteht aus der Zurückzahlung von Krediten. Das ist kein Konsum. Der Konsum eines Kredits sind die Zinsen, aber nicht die Tilgung.

1999 trat ein neues Insolvenzgesetz in Kraft. Es wurde das erste Mal eine Regelung für eine private Insolvenz gesetzlich zugelassen. Wer die private Insolvenz in Anspruch nehmen wollte, mußte sein Einkommen einem Insolvenzverwalter übergeben. Der sollte dafür sorgen, daß so viel Geld wie möglich zur Tilgung der Schulden verwendet wird. Den Leuten blieb nur ein kleiner Rest für den Konsum übrig. Auf diese Weise kann man Zwangssparen durchsetzen. Da es die private Insolvenz vorher nicht gab, gab es einen riesigen Andrang auf die Ämter, bei denen man die private Insolvenz beantragen konnte. Kein Experte hat den Zusammenhang zwischen der Entwicklungsänderung der Sparquote und der Gesetzesänderung erkannt.

In der Sparquote steckt aber noch viel mehr drin. Warum wird die Sparquote nie negativ? Wer sein Geld für ein Auto spart und dann irgendwann ausgibt, müßte mehr ausgeben als er einnimmt. Darf man das nicht zählen? Dann gäbe es fast keinen Menschen, der mit seinem Monatsgehalt ein Auto kaufen kann. Dürfen diese Sachen beim Konsum nicht mehr gezählt werden? Die meisten größeren Anschaffungen dürfen beim Konsum nicht mehr gezählt werden, es sei denn, das Monatsgehalt würde ausreichen, um das Produkt zu kaufen. Und wenn jemand mogelt? Für den Computer bleibt vom Monatsgehalt in diesem Monat nur 100 € übrig. Der Rest wird vom Sparkonto genommen. Kann man so etwas sinnvoll auswerten? Natürlich nicht. Eine Sparquote wäre auf diese Weise unmeßbar.

Will man wissen, wie hoch die Sparquote wirklich ist, dann muß man wissen, wieviel Geld im Geldkreislauf vorhanden ist. Wenn der Geldkreislauf eine Länge von 1 Monat haben muß, dann hat das Jahr 12 Geldkreisläufe. Also ist das Wirtschaftsgeld im Durchschnitt 1/12 des Bruttoinlandprodukts. In den Jahren von 1970 bis 2005 lag das verfügbare Einkommen zwischen 62,6 % und 67,5 %. Es war also ungefähr 2/3 des Bruttoinlandprodukts. Das ist 8 mal so viel wie das Wirtschaftsgeld. Das Wirtschaftsgeld ist also nur 12,5 % des verfügbaren Einkommens. In den Jahren von 1964 bis 1994 lag das Minimum der Sparquote bei 11,3 % und das Maximum bei 16,2 %. Wovon bezahlen die Unternehmen Löhne und Gehälter, wenn fast jedes Jahr die komplette Geldmenge, die dem Wirtschaftssystem zu Zahlungszwecken zur Verfügung steht gespart wird?

Wie sieht die Situation aus dem Blickwinkel des Finanzexperten aus?

Die relative Veränderung der Gesamtgeldmenge.

Graphik 3: 1990 gab es einen starken Zuwachs von nur 14%. Da fand die wirtschaftliche Wiedervereinigung Deutschlands statt. Allerdings wurde die Gesamtgeldmenge nicht der Veränderung der Bevölkerungsgröße angepaßt, denn dann hätte sich die Gesamtgeldmenge um ca. 30% erhöhen müssen.

Der Kapitalmarkt wird ständig größer. Woher kommt das Geld? Es muß gespart worden sein. Woher hat das Wirtschaftssystem das Geld, das im nächsten Jahr ausgegeben werden kann? Es muß neues, zusätzliches Geld sein, das in der Vergangenheit noch nicht da war.

Das könnte aus dem Anwachsen der Staatsverschuldung entstehen. Der setzt es im Wirtschaftssystem ein und später wird es gespart.

Tabelle: Schulden in Billionen DM von 1970 bis 1990

Jahr

Staat

Alle

Alle – Staat

Relative Staatsverschuldung

1970
1971
1972
1973
1974
1975
1976
1977
1978
1979
1980
1981
1982
1983
1984
1985
1986
1987
1988
1989
1990

0,0473227
0,0487637
0,0552989
0,0613557
0,0721380
0,1085015
0,1284491
0,1501502
0,1775179
0,2026316
0,2323201
0,2731139
0,3090642
0,3414440
0,3672967
0,3923557
0,4153896
0,4404759
0,4751693
0,4905405
0,5421890

0,654235583
0,750140167
0,855933833
0,980554333
1,071968333
1,168308083
1,301100917
1,413768583
1,563775917
1,744882083
1,909799583
2,085928833
2,229803917
2,351073333
2,499420583
2,679520333
2,892505250
3,082172250
3,252914500
3,469173333
3,946333833

0,606912883
0,701376467
0,800634933
0,919198633
0,999830333
1,059806583
1,172651817
1,263618383
1,386258017
1,542250483
1,677479483
1,812814933
1,920739717
2,009629333
2,132123883
2,287164633
2,477115650
2,641696350
2,777745200
2,978632833
3,404144833

6,709584574
6,229394481
6,479074400
6,454418262
7,011858476
10,067876030
10,993589520
12,060257030
13,368318400
14,050173350
15,064200490
16,910030340
18,370435090
19,434458420
19,935773990
20,378938350
20,477673160
21,144196430
21,628097410
20,891844120
21,215722340

Nach der Wiedervereinigung hat sich die Bevölkerung schlagartig um ca. 30% erhöht. Die Menschen aus den neuen Bundesländern hatten vor der Wiedervereinigung keine Kredite aufgenommen. Deshalb wird der Gleichgewichtszustand durch die Wiedervereinigung extrem gestört. Aus diesem Grund habe ich nur die Werte bis 1990 verwendet.

Wenn man alle Schulden des Landes betrachtet und davon die Staatsverschuldung abzieht, dann hat sich diese Schuldenmenge in den Jahren von 1970 bis 1990 mehr als verfünffacht. Die Staatsverschuldung, die höchstens 1/3 des verfügbaren Einkommens ausmacht, ist viel zu klein um dieses enorme Anwachsen der Gesamtverschuldung zu erklären. Es muß also eine weitere Geldquelle geben.

Durch Inflation werden auch die Preise für die Objekte teurer, für die wir einen Kredit aufnehmen. Deshalb werden jedes Jahr höhere Kredite aufgenommen. Damit man die Kredite erhält muß auch eine Selbstbeteiligung angespart werden. Je höher die Kredite, desto mehr Geld muß für den Kapitalmarkt gespart werden. Also erhöht sich durch Inflation die Kreditmenge und die Geldmenge, die auf dem Kapitalmarkt gespart werden muß, damit man einen Kredit bekommt. Das Gleiche passiert, wenn mehr Leute einen Kredit aufnehmen, weil die Bevölkerung wächst. Also ist in der Sparquote auch Inflation und Bevölkerungswachstum enthalten. Ich kenne keinen Experten, dem das jemals aufgefallen ist.

Fazit

Man kann den Experten nicht immer vertrauen. Wenn Experten versagen, dann helfen die normalen Strategien nicht weiter. Man muß eine Systemanalyse durchführen. In einer solchen Systemanalyse müssen die Grenzen der Expertenbereiche gesprengt werden. Gibt es Widersprüche zwischen den Expertenbereichen, dann müssen diese Widersprüche aufgelöst werden. Immer dann, wenn es um Kompetenzüberschreitungen geht, sollte man die Expertenmeinungen in Frage stellen und Problemorientiert überprüfen.

Was meinen Sie wohl, wie ich diese Fehler entdeckt habe.

Herzliche Grüße von Bernhard Deutsch

 

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Wenn es innerhalb eines Systems Fehler gibt, dann kann man das nur erkennen, wenn man das System unter optimalen Bedingungen untersucht. Das kann dazu führen, daß man manchmal die illegalen Sachen vernachlässigt. Dieses Buch beschäftigt sich mit illegalen Bankgeschäften:
Die Bank als Räuber

Das Buch wurde bereits 1958 geschrieben und ist immer noch aktuell. Ich habe das Buch gekauft, weil es mir empfohlen wurde. Ich habe 3 Tage gebraucht um es zu lesen. Ich habe sogar Alpträume davon bekommen. Der Teufel will die Menschheit vernichten. Dafür braucht er immer wieder neue Helfer. Und die will er von seinem Können überzeugen. Ein kleiner Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis:
Bericht des Stinkteufels über die Verpestung der Atemluft
Referat über die Verseuchung der Gewässer
Erkrankung und Entartung durch Feinkost
Bericht des Karstteufels über die Zerstörung des Waldes
Der Kampf gegen den Geist
Erfolgsbilanz des Medizinteufels
Referat über Fremdstoffe und Gift in der Nahrung
Bericht des Atomteufels
...
Hier der Link zum Buch:
Der Tanz mit dem Teufel

Ein mathematisches Buch, welches sich mit Paradoxien auseinandersetzt darf natürlich nicht fehlen:
Buch ohne Titel

Geistige Gespräche aus dem antiken Griechenland, bei dem man den anderen immer wieder zum lügen bringt. Auch wenn er nur die Wahrheit sagen will:
Sokrates ist nicht Sokrates

Während meines Studiums gab es 2 Autoren, die ich ganz besonders mochte. Der eine war Paul Watzlawick. Ich bin auf Ihn aufmerksam geworden durch das Buch "Wie wirklich ist die Wirklichkeit?" Es hat mir so gefallen, daß ich alle Bücher, die ich von ihm finden konnte, gelesen habe. Es sind Bücher, die sich mit der Psychologie der Menschen auseinandersetzen. Man kann dort viel über sich selbst lernen.
Folgende Bücher habe ich gelesen:
Wie wirklich ist die Wirklichkeit?
Anleitung zum Unglücklichsein
Menschliche Kommunikation
Lösungen

Ich habe verschiedene Bücher von Vera F. Birkenbihl gelesen. Allerdings kann ich mich nicht mehr an viele Titel erinnern. Ein Buch ist bei der Recherche der Rezensionen nicht durchgefallen:
Kommunikationstraining


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